„Wenn
sich die Politik auf den Altar drängt, muss die Kirche ihn
schützen.“
Oscar
Arnulfo wurde in Ciudas Barrios, einem kleinen Dorf in San Salvador,
geboren. Im Alter von 13 Jahren tritt er in das Kleine Seminar von
San Miguel ein. Als er 20 wird, geht er nach Rom, um dort sein Studium
zu absolvieren. Er wird Sekretär beim Bischof von San Miguel,
und diese Funktion hat er die nächsten 23 Jahre inne. Während
dieser Zeit macht er sich viele Freunde unter der einheimischen
Bevölkerung, seine aktive pastorale Tätigkeit, sein tägliches
Rosenkranzgebet, seine feurigen Predigten über das Paradies
und die Hölle berühren sowohl die Gebildeten als auch
die Einfachen und Ärmsten. Um die letzteren kümmert er
sich besonders, sagt er über sie, dass sie „der Schatz
der Kirche“ sind.
1967
wird Oscar Romero zum Bischof geweiht, 1977 wird er Erzbischof von
San Salvador. Er macht auf die soziale Ungerechtigkeit aufmerksam,
kritisiert die blutigen Morde und das System der Oligarchie, das
die Menschen von San Salvador ins Elend stürzt. In dieser Zeit
wird Erzbischof Romero vorgeworfen, eine politische Befreiungstheologie
zu predigen, doch seine Stimme ist nichts anderes als die eines
Hirten, der besorgt ist um das Heil seiner Herde. Die Kirche, die
den Schutz menschlicher Würde fordert und um soziale Gerechtigkeit
kämpft, wird für die Regierenden besonders unbequem. Plakate
aus dieser Zeit tragen die Slogans: „Sei ein Patriot: töte
einen Priester.“ Den um Freiheit kämpfenden Bewegungen
des einfachen Volkes steht Erzbischof Romero anfangs skeptisch gegenüber,
dann aber unterstützt er sie angesichts der Morde und der Gewalt,
die an seinen Gläubigen begangen werden. Seine Entscheidung
begründet er mit den Worten: „Wenn sich die Politik auf
den Altar drängt, muss die Kirche ihn schützen.“
Täglich
kommen arme und reiche Menschen zu ihm, die um seine Intervention
für inhaftierte Bekannte und Verwandte bitten. Die mächtigste
Waffe des Bischofs ist das Wort, das er von der Kanzel verkündet,
ein Wort, das Verbrecher kritisiert, die beim Namen genannt werden,
ein Wort, das die Folter, die Entführungen und Morde beschreibt.
Am
24. März 1980 hält er eine Seelenmesse für seine
verstorbene Mutter. Trotz ausdrücklicher Bitten seiner Freunde,
die ihm aus Angst vor einem Anschlag davon abraten, betritt er den
Altar, um die Eucharistie zu feiern. Die Kugel eines Scharfschützen
verwundet ihn tödlich, als er nach der Predigt zum Altar geht.
Sein Begräbnis wird zu einer Demonstration des freien Volkes,
die von Bomben und Schüssen brutal unterbrochen wird. Der Märtyrertod
des Bischofs vermischt sich mit dem Blut hunderter weiterer Katholiken,
die im Blut „des Erlösers“ (El Salvador) die ewige
Ruhe finden.
|