„Victor
in Vinculis“
Karl
Leisner wurde in Rees, in Deutschland, geboren. Früh tritt
er einer katholischen Jugendorganisation bei, ihr verdankt er auch
seine geistige Entwicklung. Er stellt sich als wunderbarer Freund
der Jugend heraus; fröhlich, kommunikativ, voller Vitalität,
hat er die Fähigkeit junge Menschen um sich zu sammeln.
1934
beginnt er Theologie zu studieren. 1936 unternimmt er per Anhalter
eine Reise nach Rom und hat durch glücklichen Zufall die Ehre,
an einer Audienz bei Papst Pius XI. teilzunehmen, wo dieser über
die Gefahr der „Epidemie“ des Faschismus in Deutschland
spricht. Leisner sieht die Bedrohung für das deutsche Volk
sowohl im Kommunismus als auch im Faschismus, da beide Ideologien
der Kirche feindlich gesinnt sind. Seine Arbeit mit den Jugendlichen
bleibt nicht ohne Rückhall: Da er in der Kirche auffällt,
werden die Nazis auf ihn aufmerksam. 1936 wird er in Polizeievidenz
genommen, er wird ständig beschattet, die Polizei durchsucht
sein Haus.
In
dieser Zeit reift in Karl die Entscheidung, sein Leben dem Priestertum
zu widmen. Am 25. März 1939 wird er zum Diakon geweiht. Seine
weitere Ausbildung wird durch seine Inhaftierung abgebrochen. Im
Krankenhaus in St. Blasius äußert er unachtsam seine
Enttäuschung über einen misslungenen Anschlag auf Hitler.
Er wird von einem Patienten verraten, mit dem er einige Monate lang
das Zimmer geteilt hatte.
Karl
Leisner wird in das KZ in Sachsenhausen gebracht, später nach
Dachau. Dort teilt er das Schicksal vieler Gefangener – Hunger,
Krankheit, extreme Auslaugung – schließlich wird er
in die Baracke für schwerkranke Tod-Geweihte überwiesen.
1944 kommt der französische Bischof Gabriel Piquet in das KZ,
und für Karl eröffnet sich die Möglichkeit der Priesterweihe.
Die Feier an sich, wie auch die Vorbereitungen darauf sind ein rührendes
Zeugnis der Einheit unter den gläubigen Menschen trotz aller
Verschiedenheiten. Der Bischof bekommt eine Mitra, Festgewand, einen
Bischofsring – ein Geschenk von einem orthodoxen Russen, sowie
eine Stola mit der Aufschrift: „Victor in Vinculis“
(„Sieger in Ketten“) – Leisners Motto, das er
während seiner Zeit mit den Jugendlichen wiederholt verwendet
hat. Die Messbücher und das Öl für die Salbung werden
vorbereitet, die Gefangenen lernen ein speziell für diesen
Anlass komponiertes Lied. Am dritten Adventsonntag, nach einer stärkenden
Koffeinspritze, wird Karl Leisner in der KZ-Kapelle zum Priester
geweiht. Karl Leisner trifft sich an diesem Tag mit den Pastoren
der evangelischen Kirche, die für ihn eine Agape organisiert
haben.
Am
26. Dezember 1944, als sich sein Gesundheitszustand gebessert hat,
zelebriert Leisner seine erste und letzte hl. Messe. Ab diesem Tag
lässt es die Krankheit nicht mehr zu, dass der junge Priester
sein Bett verlässt - bis zu seinem Tod. In den letzten Worten
seines Notizbuchs vergibt er seinen Feinden; versöhnt mit Gott
und den Menschen stirbt er am 12. August 1945. Johannes Paul II.
hat Karl Leisner, den „Priester einer Messe“ am 23.
Juni 1996 in Berlin seliggesprochen.
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