| „Jede
Berufung ist eine Berufung zur physischen, geistigen und moralischen
Mutterschaft, und die Vorbereitung darauf bedeutet bereit zu werden
Leben zu schenken.“
Gianna
Beretta Molla kam in dem italienischen Ort Magenta, in der kinderreichen
Familie von Alberto und Maria de Michelli zur Welt. Im Alter von
18 Jahren übernimmt sie die Rolle der Erzieherin der jüngsten
Mädchen in der Katholischen Aktion (KA). Sie entpuppt sich
als energische Person voller Initiative. Bis zu ihrem Lebensende
führt sie das Programm der KA durch: Ihr Fundament ist das
Gebet und sie ist im Apostolat für ihre Nächsten tätig,
vor allem für jene, die fern von Gott sind. In ihrer Arbeit
betont sie die Rolle und den Sinn von Leiden und Opfer auf dem Weg
zur Heiligkeit.
Gianna
entscheidet sich für das Studium der Medizin. Diese Entscheidung
ist eher eine Antwort auf ihre Berufung, als die Wahl eines Berufes.
Ihre Begründung kann man als unerreichtes Beispiel der ärztlichen
Ethik sehen: „Das ist eine priesterähnliche Mission!
So wie ein Priester Jesus berühren darf, berühren wir
Ärzte Jesus in den Körpern der Kranken: der Armen, der
Jungen, der Alten, der Kinder.“ Auch als Ärztin trennt
sich Gianna Beretta nicht von ihrem Traum, Missionarin zu werden.
Sie plant, nach Brasilien zu gehen, wo ihr Bruder P. Alberto arbeitet.
Dieser rät ihr jedoch von diesem Weg ab, da er befürchtet,
dass das tropische Klima für Berettas Gesundheit gefährlich
werden könnte.
In ihrem Leben kommt die schwierige Zeit der Frage nach der Berufung.
Sie betet viel, spricht mit ihrem geistigen Begleiter, unternimmt
schließlich eine Wallfahrt nach Lourdes, um sich über
ihre Berufung klar zu werden. Letztendlich erkennt sie, dass ihr
Glück und ihre Mission im Familienleben liegen. 1955 heiratet
sie in Magenta den Ingenieur Peter Molla. Beide sind sehr religiös
und sehen in der Gnade des Sakramentes der Ehe das Glück ihrer
Familie. Als sie schon drei Kinder haben (alle Schwangerschaften
sind schwierig verlaufen), stellt sich bei der nächsten Schwangerschaft
heraus, dass ein Tumor an der Gebärmutter operiert werden muss.
Als Ärztin ist sich Gianna dessen bewusst, dass diese Operation
das Leben ihres ungeborenen Kindes gefährdet. Peter Molla erinnert
sich an ihre Entscheidung: „Als der Entbindungstermin nahte,
sagte sie ganz offen: '… wenn man zwischen mir und dem Kind
entscheiden muss, gibt es kein Zögern. Ich bestehe darauf,
dass ihr das Kind wählt. Rettet das Kind!’“
Am
Karfreitag 1962 beginnt die Geburt. Am Karsamstag, im Moment, als
die Osterglocken zu läuten beginnen, kommt ein gesundes Mädchen
zur Welt – Gianna Emmanuela. Ihre Mutter hat in den nächsten
Tagen starke Schmerzen und ihr Gesundheitszustand verschlechtert
sich. Eine Woche nach der Entbindung beginnt die Agonie. Beretta
wiederholt in ihrem Leiden ständig: „Jesus, ich liebe
Dich, Jesus, ich liebe Dich.“ Sie stirbt am 28. April 1962.
Am
23. September 1973 wurde Gianna Beretta Molla in Rom von Papst Paul
VI. seliggesprochen. Die Selige wurde „die Mutter aus der
Diözese Mailand, die – um ihrer Tochter das Leben zu
geben – bewusst ihr eigenes Leben geopfert hat.“ (Papst
Paul VI.) Am 16. Mai 2004 wurde sie von Johannes Paul II. heiliggesprochen.
Während der Feier sagte der Hl. Vater: „Gianna Beretta
Molla ist dem Beispiel Christi gefolgt und war als heilige Familienmutter
heldenhaft treu gegenüber der Verpflichtung, die sie am Tag
ihrer Heirat annahm …Das höchste Opfer, das ihr Leben
besiegelte, bezeugt, dass nur der, der den Mut hat, sich selbst
völlig Gott und seinen Brüdern hinzugeben, sich selbst
verwirklicht…. Möge unsere Zeit fähig sein, durch
das Beispiel von Gianna Beretta Molla die reine, keusche und fruchtbare
Schönheit der ehelichen Liebe zu entdecken, die als Antwort
auf den göttlichen Ruf gelebt wird!“.
(Zitat aus: ZENIT, ZG04051802) |